Von Feinden zu Freunden

Die deutsch-französische Versöhnungsmesse in der Kathedrale von Reims 1962

Vom 2. bis 8. Juli 1962 reiste Konrad Adenauer nach Frankreich. Der erste offizielle Staatsbesuch des Bundeskanzlers im westlichen Nachbarland sollte die Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg bekräftigen und die Öffentlichkeit mit der neuen Partnerschaft vertraut machen.

Die Inszenierung des Besuchs folgte wesentlich den Vorstellungen des französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle. Nach dem freundlichen Empfang in Paris, wo u. a. politische Gespräche geführt wurden, machte Adenauer zunächst Station in Rouen und Bordeaux. Auf dem Truppenübungsplatz Mourmelon bei Reims nahm er gemeinsam mit de Gaulle eine deutsch-französische Militärparade ab.

Höhepunkt der Reise war der gemeinsame Besuch einer Friedensmesse in der Kathedrale von Reims am 8. Juli 1962. Begrüßt wurden die beiden Staatsmänner von Erzbischof François Marty. Der feierliche Gottesdienst symbolisierte die Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich nach jahrhundertelanger Erzfeindschaft.

Ein Foto aus dem Bestand B 145 (Presse- und Informationsamt der Bundesregierung) des Bundesarchivs hält das historische Ereignis fest. Es ist Teil einer Reihe von Bildern, die das BPA im Rahmen von Adenauers Frankreichbesuch anfertigte.

Die Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt Konrad Adenauer und Charles de Gaulle nebeneinander im Chor des gotischen Bauwerks. An den Kirchenpfeilern im Hintergrund sind noch vereinzelt Einschüsse zu erkennen – letzte Spuren des Kriegs zwischen Deutschland und Frankreich.

Reims wurde nicht zufällig als Ort für die Zeremonie gewählt: Die Stadt war während des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71 besetzt und im Ersten Weltkrieg durch deutsche Luft- und Artillerieangriffe schwer zerstört worden. Außerdem hatte hier am 7. Mai 1945 der Chef des Wehrmachtsführungsstabs, Alfred Jodl, die Kapitulationserklärung unterschrieben.

Die Kathedrale war bis zur Französischen Revolution die Krönungskirche der Könige von Frankreich. Am 19. September 1914 war sie durch deutsche Truppen bombardiert und in Brand gesetzt worden. Diese militärisch sinnlose Zerstörung prägte das negative Bild von den Deutschen in Frankreich für die folgenden Jahrzehnte entscheidend mit.

Es war daher von hoher symbolischer Bedeutung, dass zwei Politiker, die beide Weltkriege und Zeiten der schärfsten Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich miterlebt hatten, sich gerade an diesem historischen Ort die Hände zur Versöhnung reichten.

Besonders für Adenauers politische Karriere stellte der 8. Juli 1962 einen Höhepunkt dar: Er war ein wichtiger Meilenstein der deutsch-französischen Freundschaft, die am 22. Januar 1963 mit der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags besiegelt wurde. Die bilaterale Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich war Ausgangspunkt einer engen und belastbaren Partnerschaft, die bis heute anhält.

Quelle: BArch, B 145 Bild-F013405-0028 / Steiner, Egon

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