Verleihung der Ehrendoktorwürde der TU Berlin

Verleihung der Ehrendoktorwürde „an den Herrn Bundeskanzler Dr. Dr. H. C. Konrad Adenauer“ am 19. Juli 1954

1954 war für die Technische Universität Berlin ein besonderes Jahr. Die Hochschule konnte auf 155 Jahre Geschichte zurückblicken: 75 Jahre als Technische Hochschule bzw. seit 1946 als Technische Universität. Ein Jahr, in dem Tradition, Ehrung und Zukunftsvisionen zusammenkamen.

Anlässlich dieser Jubiläen verlieh Rektor Otto Dahl Bundeskanzler Konrad Adenauer den Ehrendoktortitel Dr.-Ing. Dahl nannte ihn den „Baumeister“ eines neuen Deutschlands, das seine Souveränität und internationale Anerkennung wiedergewonnen hatte. Zugleich stellte Dahl heraus, dass die Ehrung auch dazu diente, Adenauer enger an die TU Berlin und an die Stadt zu binden. Nicht zuletzt stellte die Universität eines ihrer Gebäude zur Verfügung, als der Bundestag 1956 in Berlin tagte.

Adenauer nahm die Auszeichnung mit Bescheidenheit – und einem Hauch Humor – an. In seiner Rede betonte er, wie sehr ihn die Ehrung gerade von der TU Berlin berühre, lobte die Angliederung einer Humanistischen Fakultät und unterstrich, dass technisches Wissen immer mit geistiger Bildung verbunden sein müsse. Gleichzeitig kritisierte er, dass an vielen Universitäten das persönliche Verhältnis zwischen Lehrenden und Studierenden zu kurz komme. Ein „freundschaftlicher Erziehungsfaktor“ sei für gutes akademisches Lernen unverzichtbar, denn lobende Worte blieben „doch immer haften“ und täten einem gut.

In seiner Rede an die Studierenden erinnerte Adenauer daran, dass die TU Berlin ihre Wurzeln in einer Zeit demokratischer Aufbrüche habe, in der Freiheit und Schutz vor staatlicher Willkür zentrale Werte waren. Auch jetzt müssten Menschen für geistige Güter eintreten. Er lobte die Leistungen der Studierenden und Lehrenden seit 1945, die trotz persönlicher Gefahren das akademische Leben in Berlin wieder aufblühen ließen. Er wies zugleich auf die „mitteldeutschen Universitäten“ unter sowjetischem Einfluss hin und drückte seine Hoffnung auf einen „freien Osten“ und einen gemeinsamen Wiederaufbau aus.

Adenauer plädierte für ein föderalistisches Europa, das Vielfalt respektiere, frei von Gleichmacherei sei, und rief die Studierenden auf, auf dem Grundstein, der gelegt werde, ein Europa zu errichten, unter dessen Dach die nächste Generation einer glücklichen Zukunft entgegengehen könne.

Veröffentlicht wurden Adenauers Reden in der seit 1946 wieder etablierten Publikationsreihe Akademische Reden (UA TUB, Bestand 708 Akademische Reden). Diese Reden begleiteten zentrale universitäre und politische Anlässe bis 1968.

Im Rahmen der Feierstunde trug sich der Bundeskanzler auch in das Goldene Buch der Technischen Universität Berlin ein (UA TUB, Bestand 709 Hochschulgeschichtliche Sammlung). Der Eintrag unterstrich die besondere symbolische Bedeutung des Besuchs und die enge Verbindung zwischen der TU Berlin, der Bundesregierung und der jungen Bundesrepublik, denn die Verleihung der Ehrendoktorwürde an Konrad Adenauer machte 1954 sichtbar, wie eng Wissenschaft, Politik und gesellschaftliche Verantwortung damals miteinander verbunden waren. Zugleich bekannte sich die TU Berlin damit demonstrativ zur demokratischen Neuordnung nach 1945, zur Westbindung und zu ihrer aktiven Rolle im politischen und gesellschaftlichen Wiederaufbau. Dies markierte die Anerkennung der Universität als wichtigen Ort des demokratischen und wissenschaftlichen Neubeginns nach 1945.

Claudia Schülzky

 

 

Entwurf der Ehrenurkunde für Adenauer - UA TUB, Bestand 119 Ehrenwürden und Ehrungen, Nr. 80

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Technische Universität Berlin
Strasse des 17. Juni 135
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Quellenangaben

  1. Entwurf der Ehrenurkunde für Adenauer - UA TUB, Bestand 119 Ehrenwürden und Ehrungen, Nr. 80
  2. Adenauer wird die Ehrendoktorwürde überreicht, 19. Juli 1954 - UA TUB, Bestand 602 Ereignisse, Signatur 20260 (Kopie des Originals des Landesarchivs mit dem Bildnachweis: Landesarchiv Berlin, F Rep. 290 (04) Nr. 0034384 / Foto: Schütz, Gert)