Thomas Dehler und Konrad Adenauer verband keine Freundschaft. Das Verhältnis des ersten Bundesjustizministers und des ersten Bundeskanzlers schwankte vielmehr zwischen „Verehrung und Verbitterung, Feindschaft und Versöhnung“ (H. Löttel).
Sie trennte der Altersunterschied und die regionale Prägung; sie verband ihr Widerstand gegen den Nationalsozialismus und die Tatsache, dass sie beide führende Köpfe der ersten Bundesregierung waren und sich zwischen 1954 und 1957 als Parteivorsitzende von CDU und FDP begegneten. Bereits in der Ministerzeit Dehlers zwischen September 1949 und Oktober 1953 gerieten Adenauer und Dehler mehrfach aneinander. Das lag an inhaltlichen Differenzen, aber auch an der teils schroffen Art des Umgangs miteinander. In dem Brief vom 8. Juni 1953 beschwerte sich Adenauer über eine Rede Dehlers, in der dieser den politischen Katholizismus angegriffen hatte.
Ewald Grothe
Transkription der handschriftlichen Notiz Adenauers:
Es tut mir
sehr leid, daß gerade Sie sich
dazu haben verleiten
lassen, diese Ausführungen
zu machen.
Ihr
Adenauer