„Sehr geehrter Herr Dr. Adenauer!“

Die privat-politischen Briefe zwischen Helmut Schmidt und Konrad Adenauer

Das hellgraue Mäppchen aus Spezialkarton liegt in einem der schweren Rollregale. Im Helmut Schmidt-Archiv ist sie eine unter Tausenden und doch etwas Besonderes. In ihr liegen zwei Briefe, beide datiert auf das Jahr 1966 – unterschrieben von zwei prägenden Persönlichkeiten der deutschen Bundespolitik: Konrad Adenauer und Helmut Schmidt.

Es sind die einzigen Briefwechsel zwischen den beiden Politikern, die im privaten Nachlass des bekannten Hamburgers überliefert sind. Sie dokumentieren die Beziehung des damals jungen Schmidt zu dem vierzig Jahre älteren Adenauer, die von gegenseitigem Respekt, aber von wenigen persönlichen und politischen Berührungspunkten geprägt war.

So offenbaren weitere Akten im Archiv, dass Schmidt als junger Bundestagsabgeordneter in den 1950er-Jahren politisch mit der Regierung Adenauer befasst war.  Er nahm unter anderem Stellung zur Verkehrspolitik der Bundesregierung und unterstützte damit die Position seiner Fraktion (HSA: EA 4, Bl. 214-219). Zu einem persönlichen Austausch zwischen den beiden Politiker kam es jedoch nicht.

Das änderte sich erst 1966. Im Frühjahr schickte Schmidt dem ehemaligen Bundeskanzler seinen Artikel „Unter Akten begraben“ aus der Wochenzeitung DIE ZEIT (HSA 931). Darin kritisierte er die zunehmende Bürokratie in Deutschland. Seine Diagnose: Immer neue Gesetze und Vorschriften überforderten die Verwaltungen. Fachleute seien zunehmend damit beschäftigt, neue Regelungen umzusetzen, anstatt ihre eigentliche Arbeit zu erledigen.

Adenauer, der zu diesem Zeitpunkt noch immer CDU-Vorsitzender und Bundestagsabgeordneter war und erheblichen politischen Einfluss besaß, stimmte Schmidt „großenteils“ zu.

Wenige Monate später, im Dezember 1966, bedankte sich Helmut Schmidt für die Zusendung des zweiten Bandes von Adenauers Erinnerungen (HSA 931). Wo sich das Buch heute befindet, ist nicht bekannt. Ebenso wenig lässt sich ermitteln, ob Adenauer darin eine persönliche Widmung hinterließ.

Die beiden Briefe sind knapp formuliert und zeigen keinen tiefergehenden, persönlichen Austausch über private oder politische Vorgänge. Doch sie dokumentieren einen kurzen Moment politischer Verständigung zwischen zwei Generationen deutscher Politik.

Als Teil der privat-politischen Korrespondenz gehören sie zum Kernbestand des Helmut Schmidt-Archivs, wo sie zusammen mit ca. 35.000 weiteren Schreiben im Rahmen eines Brieferschließungsprojekts erstmals systematisch erschlossen und mittels historisch-kritischen Regesten verzeichnet werden. 

Die Briefe erlauben uns eine – nirgendwo sonst überlieferte – exklusive Binnensicht auf biografische Wegmarken, politische Entscheidungsprozesse und auf nationale wie globale Netzwerke Helmut Schmidts und seiner politischen Weggefährten.

Franziska Zollweg
 

Ansicht der Briefe in der Jurismappe, HSA 931 © BKHS/Zollweg

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