Seit dem Konzil von Trient in der Mitte des 16. Jahrhunderts sind die katholischen Pfarreien verpflichtet, Geburten, Eheschließungen und Todesfälle in den sog. Matrikelbüchern zu dokumentieren. Und so lässt sich auch die Familiengeschichte von Konrad Adenauer in weiten Teilen in den Kirchenbüchern aus den Kölner Pfarreien nachvollziehen, beginnend mit der Geburt Konrad Adenauers, der ersten Eheschließung mit seiner Frau Emma und deren Tod im Jahr 1916.
Die kirchliche Trauung mit seiner zweiten Frau Auguste („Gussie“) Zinsser fand am 25. September 1919 in der Kapelle des Dreifaltigkeitshospitals in Köln-Braunsfeld statt. So ist es in dem Hausstandsbuch von Konrad Adenauers Bruder, dem Pfarrer Johannes Adenauer, vermerkt worden. Dieser hatte die Trauung vorgenommen. Einen Eintrag in das Ehebuch der zugehörigen Pfarrei St. Joseph in Braunsfeld findet sich dagegen nicht, ebenso wenig in den Büchern anderer Kölner Pfarreien. Warum kein ordnungsgemäßer Vermerk in ein Kirchenbuch vorgenommen wurde, ist nicht bekannt.
Auguste Zinsser war bis zu ihrer Ehe mit Konrad Adenauer protestantischer Konfession und konvertierte wenige Tage vor der Hochzeit zum katholischen Glauben. Auch Unterlagen zu dieser Konversion, die normalerweise in den pfarrlichen Unterlagen dokumentiert sein sollte, lassen sich nicht ermitteln.
Umso erstaunlicher der Eintrag in das Konversionsbuch der kirchenrechtlichen Abteilung des Erzbistums Köln: Hier findet sich unter der Nummer 731 der Eintrag, dass auf schriftlichen Antrag des Pfarrers Johannes Adenauer aus Düsseldorf-Rath am 22. September, drei Tage vor der kirchlichen Trauung, die kirchenrechtliche Vollmacht erteilt worden ist („facultas recipiendi“), Auguste Zinsser in die katholische Kirche aufzunehmen. Eine Randnotiz „bapt. con. (baptizata conditione)“ lässt vermuten, dass Auguste Zinsser keinen gültigen Taufnachweis erbringen konnte und ihre Taufe daher unter einem gewissen (kirchenrechtlichen) Vorbehalt stand.
Stefan Plettendorff