Diese silberne Gedenkmedaille erinnert an den Besuch des US-Präsidenten John F. Kennedy in der Bundesrepublik Deutschland vom 23. bis 26. Juni 1963. Ein Höhepunkt dieses Besuches war der 26. Juni, an dem der Präsident vor dem Schöneberger Rathaus in West-Berlin seine berühmte Rede mit den Worten „Ich bin ein Berliner“ hielt. Der Besuch erfolgte auf eine Einladung Adenauers vom 18. Januar 1963, die Kennedy bereits einen Tag später annahm.
Passend zum Besuch zeigt die Vorderseite der Gedenkmedaille, der Avers, das linksgerichtete Profil des Bundeskanzlers Konrad Adenauer und des US-Präsidenten John F. Kennedy. Die Darstellung wird von der Umschrift „Präsident John - F. Kennedy Bundeskanzler Konrad Adenauer“, der Jahreszahl 1963 sowie den Initialen des Medailleurs Friedrich Breitholz ergänzt. Sie wurde im Bayerischen Hauptmünzamt produziert und von Münzen & Medaillen Motek Horowicz & Co. / Merkur-Bank im selben Jahr ausgegeben.
Die Harmonie auf der Medaille war jedoch eher ein Wunschbild denn politische Realität: Der Besuch war von Spannungen in den deutsch-amerikanischen Beziehungen geprägt, die sich seit 1961 aufbauten. Grund hierfür war vor allem die strategische Entspannungspolitik gegenüber der Sowjetunion. Der Strategiewechsel der USA löste bei westlichen Partnern und in der Bundesrepublik Zweifel aus, ob die Vereinigten Staaten im Ernstfall weiterhin bedingungslos für die Sicherheit Westeuropas einstehen würden. Zudem reagierten die USA beim Bau der Berliner Mauer zurückhaltend, was Unverständnis und Kritik in der deutschen Presse und Öffentlichkeit hervorrief.
Auch Bundeskanzler Konrad Adenauer lehnte diese neue amerikanische Linie ab, sah sie doch vor, auch die Berlin- und Deutschlandfrage dieser Entspannungspolitik unterzuordnen. Nach Adenauers Überzeugung konnte nur eine „Politik der Stärke“ gegenüber der Sowjetunion Garant für die Sicherheit der Bundesrepublik sein. Jegliche Konzessionen gegenüber der UdSSR bargen seinem Urteil nach die Gefahr, dass der sowjetische Einflussbereich sich weiter auf West-Berlin und die Bundesrepublik ausweiten könnte.
Problematisch erwies sich auch das persönliche Verhältnis zwischen Adenauer und Kennedy. Auf den US-Präsidenten wirkte die Außenpolitik Adenauers – die darauf abzielte, die Bundesrepublik durch politische Stabilität als verlässlichen Partner im Westen zu etablieren – als zu starr und überholt. Adenauer wiederum war überzeugt, dass eine amerikanisch-sowjetische Annäherung unweigerlich zulasten deutscher Interessen gehen würde.
Als sich die transatlantischen Beziehungen im Zuge der deutsch-französischen Annäherung und Frankreichs Bestrebung nach nuklearer Souverinität verschlechterten, sandte Adenauer seine Einladung an Kennedy, um ein positives Signal an die USA zu senden. Darin sah Kennedy eine Möglichkeit, sich direkt ans deutsche Volk zu wenden, und sagte zu. Auch Adenauers angekündigter Rücktritt für den Herbst 1963 dürfte hier eine Rolle gespielt haben.
Am 23. Juni 1963 wurde Kennedy am Flughafen Köln/Bonn von Adenauer empfangen. An diesem Tag überreichte der Kanzler ihm eine goldene Variante dieser Gedenkmedaille, die heute in der John F. Kennedy Library and Museum in Boston liegt. Der Besuch trug maßgeblich dazu bei, die Spannungen in den deutsch-amerikanischen Beziehungen beizulegen. Auch hierzu zeigt die Rückseite der Medaille, der Revers, passend eine Friedenstaube mit Olivenzweig. Sie trägt die lateinische Umschrift „Sententia · Orbi Terrarum · Pax – Labor – Panis“. Mit diesen Worten unterstreicht die Medaille das proklamierte Ziel einer globalen Wertegemeinschaft und stabilen Friedensordnung.
Lukas de Carvalho