Im Bildarchiv des Stadtarchivs Bad Honnef befinden sich schwarz-weiße Fotoabzüge des Fotografen Thomas von Rossum, die eine Schändung des Grabes von Konrad Adenauer im Oktober 1991 dokumentieren.
Laut den Berichten der Honnefer Volkszeitung, deren Archiv sich ebenfalls im Bestand des Stadtarchivs Bad Honnef befindet, entdeckte der Gärtner Manfred Velten die Verwüstung des Grabes am Morgen des 5. Oktobers 1991. Velten hatte zuvor den Garten des Adenauerhauses gepflegt und wollte sich danach routinemäßig der Herrichtung des Grabes widmen, als er die Zerstörung sah. Schon am Eingang des Waldfriedhofs in Rhöndorf waren ihm Schmierereien mit Hakenkreuzen und weiteren nationalsozialistischen Zeichen auf dem Gehweg und an Informationstafeln des Friedhofs aufgefallen. Adenauers Grab war jedoch das einzige Grab, das beschmiert und zerstört worden war. Die Einfassungsmauer und der Grabstein waren ebenfalls großflächig mit nationalsozialistischen Zeichen besprüht worden. Zudem war die Bepflanzung herausgerissen und der wenige Tage zuvor abgelegte Kranz zum Gedenken des Tags der Deutschen Einheit zerfetzt worden.[1]
Der oder die Täter wurden nicht ermittelt. Dadurch bleibt auch das Motiv der Grabschändung unklar. Die Tat geschah in einer Zeit des Anstiegs rechtsextremer Gewalt und rassistischer Ausschreitungen in der Bundesrepublik. Seit dem Frühjahr 1990 kam es vermehrt zu Übergriffen auf AsylantInnen, die im September 1991 mit den tagelangen massiven Angriffen der Flüchtlingsheime in Hoyerswerda einen vorläufigen Höhepunkt fanden. Außerdem gab es weitere Grabschändungen zu dieser Zeit in der näheren Region. So kam es, ebenfalls am 5. Oktober 1991, zu einer Schändung von insgesamt 21 Gräbern auf dem Alten Friedhof in Bonn, wobei vor allem das Grab von Clara und Robert Schumann erheblich zerstört worden war.[2]
Das Entsetzen über die Schändung des Grabes von Adenauer war groß. Nicht nur in Bad Honnef, auch international. So sendete beispielsweise der frühere französische Staatspräsident Valery Giscard d’Estaing ein Telegramm an den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, worin er seine Bestürzung und gleichzeitige uneingeschränkte Solidarität ausdrückte und die Verdienste Adenauers für die Deutsch-Französiche Freundschaft hervorhob.[3]
Noch am gleichen Tag, als die Zerstörung entdeckt wurde, halfen zahlreiche Mitglieder der Feuerwehr-Löschgruppe Rhöndorf, des städtischen Bauhofs, sowie Bürger aus Rhöndorf bei der Säuberung des Friedhofs und des Grabes. Bereits eine Woche später war der Grabstein wieder hergerichtet, und Vertreter der Stadt und der damaligen CDU/CSU-Bundestagsfraktion legten Kränze am Grab nieder, um Konrad Adenauer zu würdigen und die Tat zu verurteilen.[4]
Dr. Jens Kremb
[1] Honnefer Volkszeitung vom 7.10.1991.
[2] Honnefer Volkszeitung vom 5.10.1991
[3] Honnefer Volkszeitung vom 7.10.1991.
[3] Honnefer Volkszeitung vom 9.10.1991.