Gipfeltreffen in Baden-Baden

Januar 1955: Adenauer trifft auf Pierre Mendès France

In einer entscheidenden Phase besuchte der französische Ministerpräsident Pierre Mendès France im Januar 1955 die Bundesrepublik Deutschland.

Er reiste mit seiner Ehefrau Lily per Zug nach Deutschland und wurde vom französischen Hochkommissar André François-Poncet und dessen Ehefrau am Bahnhof Baden-Oos empfangen. In einem Spiegelartikel zu dem Treffen wurde ironisch angemerkt, dass weder Konrad Adenauer noch eine Person aus seinem engsten Kreis anwesend waren. Dies hatte einen Grund:

Dem Treffen waren Rückschläge in der Europäischen Integration und deutsch-französische Spannungen vorangegangen. Die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) war am 20. August 1954 in der französischen Nationalversammlung abgelehnt worden, da eine Mehrheit die Wiederbewaffnung Westdeutschlands ablehnte – ein herber Rückschlag für den Einigungsprozess.  

Ende September hatte Mendès France auf der Londoner Neun-Mächte-Konferenz jedoch den Weg für einen Beitritt der Bundesrepublik in die NATO freigeben. Am 23. Oktober 1954 hatten sich Adenauer und der französische Ministerpräsident auf die Option einer „Europäisierung“ des Saarlandes und eine Volksabstimmung zur Lösung der Saarfrage geeinigt.

Das Treffen in Baden-Baden sollte nun den Beginn der vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen den Nachbarländern markieren.

Gemeinsam fuhren Mendès France, der Hochkommissar und ihre Ehefrauen zum Schlosshotel Hahnhof. Ursprünglich hätte das Treffen in Mariahalden, dem Gästehaus der französischen Besatzer, stattfinden sollen, doch bestanden die deutschen Gastgeber darauf, dass die Gespräche auf deutschem Gebiet stattfinden müssten, da Adenauer aus seinem Urlaubsort im Schwarzwald anreiste.

Angekommen am Ziel, herrschte ein großer Andrang der Presse beider Staaten; währenddessen empfing Wirtschaftsminister Ludwig Erhard Mendès France. Der Bundeskanzler hielt sich zunächst im Hintergrund.

Adenauer, Mendès France, Herbert Blankenhorn und der französische Kabinettschef Jean-Marie Soutou verhandelten in der anschließenden Konferenz über die Entspannung zwischen Ost und West sowie über die Saarabstimmung – es wurde festgelegt, dass die kleineren Staaten der jungen Westeuropäischen Union die Abstimmung überwachen, Großbritannien und die USA das Statut garantieren sollten.

Bereits im Dezember 1954 hatte die französische Nationalversammlung den Pariser Verträgen zugestimmt – der Bundestag stimmte einen Monat nach dem deutsch-französischen Treffen im Januar 1955 dafür. Am 5. Mai 1955 traten die Pariser Verträge in Kraft. Somit begann eine neue Zeit für Deutschland und Frankreich.

Die Bundesrepublik konnte durch die Pariser Verträge Souveränität erlangen und der NATO beitreten. Die Saarländer stimmten – entgegen Adenauers Empfehlung – gegen eine Europäisierung und für einen Beitritt zur Bundesrepublik. Nach 1958 arbeitet Adenauer eng mit Charles de Gaulle an der deutsch-französischen Freundschaft, die 1963 im Élysée-Vertrag besiegelt wurde.

Adenauer und Mendès France treffen zum Gipfeltreffen zusammen - Staatsarchiv Freiburg W 134 Nr. 039736a

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