Der Pepita-Hut steht ihm so gut

Kleine Krempe und das berühmte „kleine Karo“ – eines der schönsten „Fundstücke“, die wir im Archiv für christlich-demokratische Politik als Ausstellungsstück vorweisen können, das ist der berühmte Pepita-Hut des Kanzlers. Diesen bequemen Sonnenschutz trug der Kanzler, der auch im Urlaub stets korrekt im Anzug – allenfalls vielleicht mal ohne Anzugsjacke –, anzutreffen war, nicht zuletzt beim Boccia-Spiel in seinem persönlichen „Shangri-la“, in der Villa La Collina am Comer See in Cadenabbia, wo er seit 1957 regelmäßig seine Urlaube verbrachte. Schnell erhielt auch im damaligen Volksmund der Pepita-Hut den Beinamen „Cadenabbia-Hütchen“ und den Schweizer Musiker Hazy Osterwald inspirierte der berühmte Hutträger sogar zu einem Schlager mit einer entsprechenden Liedzeile: "Heute sind Pepitahüte hierzulande populär / Einer hat sie importiert, nun raten Sie mal wer? Der Herr mit dem Pepitahut / Der schiebt 'ne ruhige Kugel . . ."

Interessant ist auch derjenige, der eigentlich die „Schuld“ daran trägt, dass Adenauer mit diesem Hut in Kontakt kam. Der Journalist Max Nitzsche weiß zu berichten, dass es Dannie N. Heinemann war, zeitlebens einer der engsten Freunde Adenauer, ein Jude, einer der wichtigsten Mäzene für den Aufbau der Wissenschaftslandschaft in Israel, jener Mann, der Adenauer finanzielle Hilfe leistete, als der von den Nationalsozialisten abgesetzte Familienvater in materielle Not geriet. Und von eben jenem Freund stammt eine Hilfsleistung der ganz anderen Art. Gleich zwei Exemplare, so Nitzsche, habe Heinemann in ein Paket an den Kanzler gesteckt: Für Konrad Adenauer selbst und für seinen Sohn Paul, den Priester. „Das müßten Sie mal sehen, wenn wir beide dat Ding tragen, in Rhöndorf beim Bocciaspielen. Der lange Paul, 1.90 m groß ...“ soll der Kanzler gesagt haben. Den früheren Reichstagsabgeordneten und späteren SPD-Bundestagsabgeordneten, Heinrich Ritzel, habe der Hut angeblich zum Schreiben eines Kriminalromans mit dem Titel „Der Hut des Kanzlers“ inspiriert. Der Roman scheint aber niemals erschienen zu sein. Jedenfalls lässt sich davon keine Spur finden.

Was der Kanzler an dem Hütchen so schätzt, das weiß der Journalist Nitzsche auch zu berichten: „Es schwebt geradezu unverschämt frech, als ein Wesen größter Anpassungsfähigkeit auf Adenauers Kopf – jeder leichte Fingerdruck verwandelt seine Form. Mit einem Satz: Das Hütchen gibt Contra, wo immer es kann, und genau dies ist es, was dem hohen Feriengast an ihm so gefällt.“

 

Michael Borchard

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