Ausbildung als Jurist

Personalakte als Referendar der preußischen Justizverwaltung

Eine Personalakte Konrad Adenauers würde man sicher nicht in der staatlichen Überlieferung Nordrhein-Westfalens erwarten. Und doch existiert sie und wirft einen Blick in eine wenig beachtete Lebensphase des späteren Bundeskanzlers: Seine Ausbildung als Jurist.  

Nach seinem Abitur am Kölner Apostelgymnasium (und einer rasch abgebrochenen Banklehre) studierte Adenauer in Freiburg, München und Bonn, wie es damals noch hieß, „Rechts- und Staatswissenschaft“, also Jura. Um aber Volljurist zu werden (so ist das bis heute) musste er nach bestandenem Ersten Staatsexamen (1897) ein Referendariat ablegen, also einen damals noch vierjährigen juristischen Vorbereitungsdienst bei der preußischen Justizverwaltung. Dies tat er am Königlichen Landgericht in seinem heimatlichen Köln – die dazugehörigen Personal- und Prüfungsakten sind in der Abt. Rheinland in Duisburg erhalten.

Diese enthalten nicht nur die üblichen Urlaubsgesuche, Anträge und Bewertungen des Referendarius, sondern auch Prüfungsarbeiten Adenauers, die sogenannten Urteilsklausuren. Diese mussten (übrigens auch wie heute noch) mit der Hand geschrieben werden und umfassen jeweils mehrere Dutzend Umschläge mit großzügigem Korrekturrand (für den Prüfer).

Die Akten zeugen insgesamt von den verschiedenen Stationen, die der junge Referendar am Oberlandesgericht und am Amtsgericht Köln durchlaufen musste – von Straf- und Zivilkammern bis zur Kammer für Handelssachen, der Staatsanwaltschaft und Hospitanzen bei Rechtsanwälten und Notaren.

Endlich, im Jahr 1901 und nach insgesamt vier Jahren Ausbildung, trat Adenauer zur Großen Staatsprüfung an. Sein Assessorexamen bestand der Rheinländer dann in Berlin mit der Note „ausreichend“ und durfte sich fortan Assessor nennen. Zurück in Köln trat Adenauer zunächst eine Stelle bei der Staatanwaltschaft an, bevor es ihn im Jahr 1903 in die „freie Wirtschaft“ verschlug. Nach einem kurzen Intermezzo als Landgerichtsrat im Jahr 1905 widmete sich Adenauer schließlich ab 1906 voll und ganz der Politik seiner Vaterstadt.

Dr. David Hecken

Personalakte Konrad Adenauers, Signatur: LAV NRW R, Gerichte Rep. 0108 Nr. 342 und 344

Landesarchiv Nordrhein-Westfalen
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