Besichtigung der zerstörten Kölner Messe

Am 11. Mai 1924 wurde die Kölner Messe durch Oberbürgermeister Konrad Adenauer, Reichspräsident Ebert und Reichskanzler Marx eröffnet. Die Errichtung der Messe war für Adenauer ein Herzensprojekt – seit 1919 hatte er sich politisch dafür eingesetzt.[1]

Kurz nach Kriegsbeginn beschlagnahmte die Wehrmacht das Gelände. Nach der Frühjahrsmesse 1942 wurde die weitere Durchführung von Messen für den Rest des Krieges durch das Propagandaministerium untersagt.[2] Im September 1942 wurde auf dem Messegelände ein Gefangenenlager als Außenkommando des Konzentrationslagers Buchenwald errichtet, um Zwangsarbeiter unterzubringen, die von der SS-Baubrigade III eingesetzt wurden.[3]

Nach dem Umsturzversuch am 20. Juli 1944 begann das Reichssicherheitshauptamt die „Aktion Gewitter“, im Zuge dessen präventiv auch Unbeteiligte verhaftet wurden. Man wollte verhindern, dass sich erneut eine organisierte politische Opposition bilden konnte.[4] Zu diesen Unbeteiligten gehörte auch Konrad Adenauer, der am 23. August 1944 in seinem Haus in Rhöndorf durch Gestapo-Kommissar Kurt Bethke verhaftet wurde.[5] Da ab April 1943 im Messelager Köln auch Gefangene der Kölner Gestapo untergebracht wurden[6], kam Adenauer über das Bonner Gestapo-Haus dort in Gefangenschaft. Mithilfe seines persönlichen Bekannten Major Fritz Schliebusch sowie des Mithäftlings und Kapos Eugen Zander gelang ihm am 09. September 1944 die Flucht, jedoch wurden sie am 25. September wieder gefasst, nachdem man Adenauers Frau Gussie (Auguste) festgenommen und verhört hatte. Das Ehepaar sowie Schliebusch und sein Sohn Klaus wurden daraufhin in die Strafanstalt Brauweiler gebracht. Am 26. November wurde Adenauer vorzeitig entlassen.[7]

Nach dem 8. Mai 1945 kehrte Adenauer nach Köln zurück und besuchte unter Anderem das zerstörte Kölner Messergelände. Das dort entstandene Bild blieb lange Zeit unbekannt und wurde erst am 06.01.1995 durch den Kölner Sammler Klemens Kurz in einem britischen Archiv entdeckt.[8]

 

Sven Ruland


[1] vgl. Fings, Karola: Messelager Köln, Köln, Deutschland: Emons, 1996, S. 23

[2] vgl. Fings, 1996, S. 28f.

[3] vgl. Fings, 1996, S. 51.

[4] vgl. Hett, Ulrike/Johannes Tuchel: Die Reaktionen des NS-Staates auf den Umsturzversuch vom 20. Juli 1944, in: Steinbach, Peter/Johannes Tuchel (hrsg.), Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Bonn, Deutschland: Bundeszentrale für politische Bildung, 1994, S. 377.

[5] vgl. Mensing, Hans Peter: Adenauer im Dritten Reich, Berlin, Deutschland: Siedler, 1991, S. 410.

[6] vgl. Fings, 1996, S. 78.

[7] vgl. Mensing, 1991, S. 414-427.

[8] NS-Dok, Bp 6077

 

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