Erfolgte die Eröffnung der Politischen Akademie Eichholz am 12. April 1957 als neue Bildungseinrichtung der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU) bereits unter Bundeskanzler Konrad Adenauer, blieb er auch in den folgenden Jahren dem „Schloss Eichholz“ eng verbunden und eröffnete am 4. Oktober 1963 den Anbau der Bildungsstätte.
Auf der Suche nach einem geeigneten Gebäude für die neue politische Akademie Mitte der 1950er Jahre fiel die Wahl auf Schloss Eichholz im damaligen Bornheimer Ortsteil Urfeld. Als Teil des Amtes Hersel wurde Urfeld seit 1935 dem Amt Bornheim zugeordnet. Erst infolge der Gebietsreform 1969 erfolgte die Umgliederung Urfelds nach Wesseling. Es lag gut erreichbar zwischen Bonn als provisorischer Hauptstadt und der Rheinmetropole Köln sowie in Reichweite wissenschaftlicher und universitärer Infrastruktur in Bonn und Köln oder auch in Bornheim-Walberberg mit der Philosophisch-Theologischen Hochschule „Albertus-Magnus-Akademie“ der Dominikaner. Befand sich das Schloss im Besitz von August Karl von Joest, erwarb es die „Gesellschaft für christlich-demokratische Bildungsarbeit“ per Kaufvertrag zum 1. Januar 1956.
Die Politische Akademie Eichholz orientierte sich an den nach 1945 gegründeten konfessionellen Akademien, die sich in der jungen Bundesrepublik etablierten und weitverbreitetes Ansehen genossen. Die 54 Tagungen im Schloss Eichholz fanden im Gründungsjahr 1957 bereits bei gut 1150 Teilnehmenden Anklang. In den folgenden Jahren weitete sich das Angebot zur politischen Bildungsarbeit im Sinne einer freiheitlich, christlich-demokratischen Politik aus, dessen Zielgruppe die s.g. mündigen Staatsbürger waren. Die Abgrenzung zum Kommunismus und die Reflexion der christlich-abendländischen Kultur zählten ebenso zum guten Ton wie die Integration der Bundesrepublik in das Bündnis der westlichen Demokratien. Im Jahr 1962 gab es 81 Veranstaltungen mit 1382 Teilnehmenden und 1963 sollten es 134 Angebote mit 3734 Teilnehmenden werden. Angesichts dieser Nachfrage kam das Bildungszentrum an seine räumlichen Grenzen, so dass eine Erweiterung notwendig wurde. Der Anbau mit modernen Tagungsräumen und Gästezimmern erfolgte ab Februar 1963. Er ermöglichte erst die Verwirklichung des Programms in größerem Umfang.
Zur offiziellen Einweihung am 4. Oktober 1963 kam der Bundeskanzler gemeinsam mit zahlreichen prominenten Persönlichkeiten aus dem politischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Bereich. Unter ihnen waren CDU-Bundesgeschäftsführer Hermann Josef Dufhues, Fritz Burgbacher (MdB) und Akademieleiter Dr. Peter Molt, die Adenauer eingangs begrüßten. Der bekannte Lokalreporter des Vorgebirges Sepp Trümpener zeichnet ein stimmungsvolles Bild:
„‘Er kütt! Er kütt!‘ riefen die Schofföre am Tor des Akademiegeländes. Dann bog der traditionelle Porsche mit blitzendem Blaulicht um die Ecke. Ihm folgte der Kanzler-Mercedes mit Standarte. Herbstlaub fiel auf die Fahrbahn, Kastanien platzten in der Allee, durch die der Kanzler heranfuhr. Durch den wolkenverhangenen Himmel drang die Herbstsonne. Die Reporter schossen Dauerfeuer. Dann öffnete sich die Tür. Der Kanzler stieg aus, während die vielköpfige Schar Gäste in der fast allseitig verglasten Wandelhalle zwischen Alt- und Neubau der Akademie ganz Aug und Ohr war.“
Adenauer Superstar! In seinem Grußwort schwor er das aufmerksame Auditorium auf die Werte der christlichen Demokratie ein: „Unsere Partei ist eine Partei, die nur bestehen kann auf einer ideellen Grundlage.“
Der Festredner Prof. Dr. Arnold Bergstraesser schloss mit seinen Gedanken über „Politik in Wissenschaft und Praxis“ an und Dufhues bat in seinem Abschlusswort den Kanzler um Zustimmung, dass die Einrichtung seinen Namen trage. Adenauer stimmte dem Ansinnen zu, sodass der Trägerverein der Politischen Akademie Eichholz am 13. Oktober 1964 die Namensänderung in „Konrad-Adenauer-Stiftung für politische Bildung und Studienförderung e.V.“ beschloss. Für die Rückfahrt an dem herbstlichen Oktobertag 1963 begleitete ihn Minister Heinrich Krone nach Bonn. Die Einweihung dieses Anbaus zählte zu den letzten repräsentativen Aufgaben als Bundeskanzler. Am 15. Oktober schied der 87-jährige Adenauer aus dem Amt aus.
Der Bestand des zeitkritischen Journalisten Trümpener im Bornheimer Stadtarchiv bietet mit Fotoaufnahmen und Zeitungsartikeln noch zahlreiche politische und lokale Entdeckungen. Dieser vorliegende Seitenblick auf das Tagesgeschäft Adenauers und auf die ihn begleitende Bonner Politprominenz lässt auf die angesehene Stellung des „Alten“ zumal im Umfeld der CDU während der frühen 1960er Jahre der Bundesrepublik trotz vorausgehender Krisen schließen. Der Anlass zeigt zudem seine aufmerksame und geschätzte Rezeption im lokalen Umfeld und speziell seine herausragende Bedeutung für die Anfänge der Konrad-Adenauer-Stiftung mit ihrer politischen Bildungsarbeit im Schloss Eichholz.
Dr. Simon Oelgemöller
Weiterführende Literatur und Quellen
- Heinrich Blatt, Die Politische Bildung der Konrad-Adenauer-Stiftung. Teil 1: 1957-1997 (Handreichung zur Politischen Bildung, Band 17), Wesseling 2014.
- Helmut Bunk, Wolfgang Dösser, Geschichte und Entwicklung von Hof und Schloss Eichholz (Blätter zur Geschichte der Stadt Wesseling III) Wesseling 2001.
- Sepp Trümpener, Ein segensreicher Tag für das deutsche Volk. Neubau der politischen Akademie Eichholz vom 7.10.1963, in: StAB 02-035.
- Immer wieder der Alte vom 7.10.1963, in: StAB 02-082.
- Feierstunde in Eichholz. Bundeskanzler Adenauer würdigt die Aufgaben der Politischen Akademie, in: Union in Deutschland (UiD) 17 / 41 (10.10.1963), S. 1–2.
- Fotos: Bildbestand Sepp Trümpener, StAB 22T.