Adenauer als Student in München

Seine akademische Ausbildung zum Juristen führte den Rheinländer Konrad Adenauer auch in bayerische Gefilde, nämlich an die Königliche Ludwig-Maximilians-Universität München. Mit der Immatrikulation für das Studium der Rechtswissenschaft am 3. November 1894[1], also zum Wintersemester 1894/95, gelangte er, von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg kommend[2], in die Haupt- und Residenzstadt Bayerns. Er bezog Quartier in der Blüthenstraße (heute ohne „h“), Hausnummer 2[3], zum Sommersemester 1895 dann Hausnummer 14[4] – wie viele Studenten nahe am Universitäts-Hauptgebäude in der Maxvorstadt und dicht am „Szeneviertel“ Schwabing, welches besonders in der Prinzregentenzeit noch aufblühen sollte. Adenauer trat erneut einer Studentenverbindung bei und wurde Mitglied im KStV Saxonia im KV zu München.[5]

Am eindrücklichsten lässt sich der Münchner Studienverlauf Adenauers anhand seiner Belegblätter nachvollziehen. Diese von den Studenten handschriftlich ausgefüllten Formulare dienten der Quästur, also der Universitätskasse, als Hilfsmittel bei der Abrechnung von Vorlesungsgebühren.

In seinem ersten Münchner Semester hörte Adenauer bei August Ritter von Bechmann (Pandekten erster Teil)[6], dem Ordinarius für Römisches Zivilrecht und Universitätsrektor. Er beschränkte sich jedoch nicht nur auf Lehrveranstaltungen der Juristen, sondern hörte auch bei – national und international renommierten – Dozenten der Staatswirtschaftlichen sowie Philosophischen Fakultät. So besuchte er die „Montag bis Freitag von 3–4 Uhr, privatim“[7] abgehaltene Vorlesung von Theodor Heuss‘ späterem Doktorvater[8] Lujo Brentano (Allgemeine Volkswirtschaftslehre). Moriz Carrière, der, für damalige Verhältnisse, hochbetagt lehrte und noch während des laufenden Semesters im Januar 1895 starb, las über Goethes Faust. Bei den Privatdozenten Anton Chroust und Karl Borinski hörte Adenauer Vorlesungen zu Renaissance, Humanismus und Reformation, drei Kapitel der abendländischen Geistesgeschichte bzw. Shakespeare in Deutschland, schließlich beim außerordentlichen Professor Walther Lotz die Einleitung in die Finanzgeschichte.

Im zweiten Semester wandte Adenauer sich nun verstärkt den Juristen zu[9], nämlich nochmals von Bechmann (Pandekten zweiter Teil), ferner dem Dekan der Juristischen Fakultät Karl Birkmeyer (Strafrecht), Emanuel Ullmann (Völkerrecht) und Hermann von Sicherer (Deutsches Aktienrecht). Weitere Vorlesungen besuchte er erneut bei Lujo Brentano (Finanzwissenschaft bzw. Geschichte der wirtschaftlichen Revolution in England seit 1760) sowie Walther Lotz (Die Lehre vom Geld und der heutige Stand der Währungsfrage).

Zum nachfolgenden Semester wechselte Adenauer an die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, da ein Abschluss an einer preußischen Hochschule notwendig war, um in Preußen als Jurist tätig sein zu dürfen.[10]

 

Daniel Schneider

 


[1] Universitätsarchiv München (UAM), D-V-40 (Matrikel der vom 26.10.1894 bis zum 22.05.1895 eingeschriebenen Studenten)

[2] Charles WILLIAMS: Adenauer – Der Staatsmann, der das demokratische Deutschland formte; Bergisch Gladbach 2001, S. 41.

[3] UAM, E-XII-11 (Amtliches Verzeichnis des Personals der Lehrer, Beamten und Studierenden an der königlich bayerischen Ludwig-Maximilians-Universität zu München. Winter-Semester 1894/95.)

[4] UAM, E-XII-11 (Amtliches Verzeichnis des Personals der Lehrer, Beamten und Studierenden an der königlich bayerischen Ludwig-Maximilians-Universität zu München. Sommer-Semester 1895.)

[5] https://www.konrad-adenauer.de/seite/adenauer-als-student/ (abgerufen am 20.01.2026).

[6] UAM, Stud-BB-39 (Belegblatt für das Wintersemester 1894/95: ordentliche Hörer A–B)

[7] UAM, G-III-2, Bd. 12 (Verzeichnis der Vorlesungen an der königlichen Ludwig-Maximilians-Universität zu München im Winter-Semester 1894/95)

[8] UAM, M-II-30pr (Promotionsakte von Theodor Heuss)

[9] UAM, Stud-BB-46 (Belegblatt für das Sommersemester 1895: ordentliche Hörer A–B)

[10] WILLIAMS, Adenauer, S. 42.

 

Belegblatt Konrad Adenauers für das Wintersemester 1894/95

Ludwig-Maximilians-Universität München
Referat Universitätsarchiv

Edmund-Rumpler-Straße 9
80939 München
Website